Ökonomie ist eine Gesellschaftswissenschaft

Piratenpartei

Die Ökonomie ist die Wissenschaft von der Wirtschaft, auch Wirtschaftswissenschaft genannt, und wird unterteilt in

  • die Betriebswirtschaftlehre, das ist das Rechnungswesen in einem einzelnen Unternehmen und
  • die Volkswirtschaftlehre – auch Makroökonomie, Nationalökonomie oder politische Ökonomie genannt. Sie betrachtet die wirtschaftlichen Zusammenhänge in ihrer Gesamtheit innerhalb eines Staates oder Staatenverbundes.

Wir beschäftigen uns hier mit der Volkswirtschaftslehre, die ich lieber politische Ökonomie nenne, weil sie vorrangig durch die Politik geordnet werden sollte. Am Konjunktiv merkst Du schon, daß ich der Meinung bin, daß genau hier die Crux in der aktuellen volkswirtschaftlichen Gestaltung liegt.In zunehmendem Maße wird die politische Ökonomie durch die Ideologie der jeweils regierenden Partei bestimmt. In meinen Ausführungen zum Konservatismus bin ich zu dem Schluß gekommen, daß sowohl die CDU/CSU als auch die SPD konservative Parteien sind. Das bedeutet für die politische Ökonomie, sie wird so gestaltet, daß der oberen Schicht in der gesellschaftlichen Hierarchie der Vorzug gegeben wird, an Stelle sie so zu gestalten, daß sie der Gesamtgesellschaft zugutekommt. Nur so ist es zu erklären, warum namentlich prägende Volkswirtschaftsgelehrte wie Adam Smith, Karl Marx oder John Maynard Keynes verfälscht, unzureichend gelehrt, propagiert und angewendet werden.

Da er von den drei genannten zu erst geboren war, fangen wir in der Geschichte bei Adam Smith an:

Er war ein schottischer Moralphilosoph. Als Grundlage der Moral definierte er die Sympathie für die Mitmenschen. Heute wird er entweder als ein Begründer des Neoliberalismus geschmäht (Die Linke) oder in vielen seiner Erkenntnissen einfach beschnitten. So beziehen sich die heutigen sogenannten Liberalen auf den Satzteil von der „unsichtbaren Hand des Marktes“. Womit sie begründen, daß der Markt doch alles regeln würde, was demgegenüber natürlich Die Linke herausfordert. Beide Seiten haben nur z.T. recht. Ja – in seiner moralischen Argumentation schreibt Adam Smith, daß der Mensch auf sein Wohl bedacht ist und somit sein Geschäft, seine Unternehmung so führt, daß er einen hohen Gewinn erzielen kann. Wenn jeder so handelt, dann würde das der Gesamtgesellschaft zugute kommen. Aber er beklagt auch, die Veramung der arbeitenden Menschen, was von den Liberalen meist unbenannt bleibt.

Karl Marx griff genau diesen Punkt auf und stellte die Theorie auf, daß es zwei Klassen gibt: die Bourgeoisie (Besitzer an Produktionsmittel) und die Arbeiter, die keinen Besitz an den Produktionsmittel haben und damit gezwungen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Diese beiden Klassen stehen sich antagonistisch gegenüber. Dieser Konflikt könne nur gelöst werden, wenn die Bourgeoisie enteignet würde und der Besitz an den Produktionsmitteln vergesellschaftet wird. Wie wir aus der Geschichte wissen, führt es nicht dazu, daß die Arbeiter sich mit dem vergesellschaftetem Eigentum indentifizieren. Deshalb hat Lenin die Theorie entworfen, daß es eine Partei neuen Typus (Vollzeitpolitiker) geben muß, die die Arbeiter bildet und erzieht. Aus dieser Umerziehung wurde unter Stalin, Mao, Castro, Honecker… eine Diktatur.

Als Karl Marx gestorben war, wurde im selben Jahr John Maynard Keynes als Sohn eines Professors für politische Ökonomie geboren. Er befürwortete die Marktwirtschaftliche Ordnung mit ihren individuellen Freiheiten, lehnte aber den reinen Wirtschaftsliberalismus, wie ihn Ludwig von Mises oder Friedrich August von Hayek vertraten, ab. Keynes wollte statt des Laissez-faire-Liberalismus eine grundlegend neue Wirtschaftsform und diese durch makroökonomische Politik und demokratische Evolution erreichen.

Seine zentrale Botschaft besteht darin, dass das marktwirtschaftliche System auch bei flexiblen Preisen und Löhnen nicht automatisch zur Vollbeschäftigung tendiert. Vielmehr kann es auch langfristig in einem Zustand von hoher Arbeitslosigkeit verharren. In diesem Fall soll der Staat zu finanz- und geldpolitischen Mitteln greifen, um die gesamtwirtschaftliche Nachfrage wieder an das Niveau heranzuführen, bei dem Vollbeschäftigung herrscht. Eine wichtige Einsicht ist, dass mikroökonomisch sinnvolle Verhaltensweisen im makroökonomischen Kontext völlig falsch sein können z.B. das Sparparadoxon: Wenn ein Einzelner mehr spart, steigt sein Vermögen und sein Zinseinkommen. Machen dies alle – ohne dass eine ausreichende Investitionsnachfrage besteht – sinkt die Güternachfrage und somit Produktion, Beschäftigung und Einkommen, sodass die gesamtwirtschaftliche Sparsumme unverändert bleibt.

Diese Wirtschaftstheorie wird durch unsere Bundesregierung nicht verfolgt. Sie folgt der Neoklassik mit ihrem Grenzkosten-, Grenznutzenprinzip. Dabei wird die Mathematik insbesondere die Differentialrechnung als Werkzeug eingesetzt. In diesem Modell wird der Mensch nicht als Mensch sondern als „Homo oeconomicus“ betrachtet, der rational handelt und zwar in dem Sinne, daß er sich für seinen eigenen höchsten Nutzen entscheidet. Nachteile dieser Wirtschaftsbetrachtung wie psychische Grenzen des Menschen, die Soziologie oder ökologische Nachteile werden weggelassen. Man muß sich also nicht wundern, wenn der Finanzminister dem Austeritätsprinzip folgt ohne auf die Gesamtwirtschaft in der europäischen Union zu achten. Würden die deutschen Makroökonomen verstehen, daß es sich bei der Ökonomie um eine Gesellschaftswissenschaft und nicht um angewandte Mathematik handelt, wäre uns schon sehr geholfen.

 

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