Aus einer thüringischen Kleinstadt

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Das Fräulein vom Amt

Das Fräulein vom Amt

1963 wurde ich in der Kleinstadt Schmölln im Altenburger Land geboren. Meine Mutter arbeitete als Telefonistin und mein Vater studierte zu der Zeit an der Bergakademie Freiberg. 1967 war er damit fertig und begann sein Berufsleben im Stahlwerk Riesa als Ingenieurökonom. So kam es, dass aus mir, einem gebürtigen Thüringer, dann ein Sachse wurde. 1969 kam ich in die Schule. Nur einmal zur Vorstellung : Das war die Zeit als der 20. Jahrestag der Gründung der DDR gefeiert wurde. Damals wurde sogar ein 20 – Mark – Stück zu Ehren des Jahrestages geprägt. Überhaupt war überall Ulbricht: in der Zeitung, im Fernsehen und für mich war die Welt so in Ordnung. Nur ab und zu kamen Fragen auf z.B. hatten ein paar Schulfreunde zu Weihnachten oder zu Ostern Westpakete bekommen. Sie haben nicht damit angegeben, aber natürlich haben sie ihre Freude darüber auch mit mir geteilt. Die Sachen rochen so schön und sahen viel bunter aus.

In meiner Vorstellung war der Westen etwas ganz besonderes.

zur Vorstellung eine Leiterplatte aus den 70ern, wie sie bei Robotron meist per Hand bestückt wurden

Leiterplatte aus den 70ern, wie sie bei Robotron meist per Hand bestückt wurden

Als ich 13 Jahre alt war, hat mein Vater sich scheiden lassen. Ab dieser Zeit war ich der große Sohn einer alleinerziehenden Mutter mit 3 Kindern. Meine Mutter mußte nach 8 Jahren Hausfrauentätigkeit in einem Betrieb arbeiten und ich konnte weiter in die Schule gehen. In den Ferien habe ich, so oft es ging, bei Robotron am Fließband gearbeitet um mir die Discobesuche und ein Motorrad leisten zu können. Mit 18 Jahren beendete ich meine Schulzeit mit dem Abitur und beschloß meine Heimatstadt zu verlassen, um zu studieren. Ich suchte mein Glück in der Ferne, im Thüringer Wald, in Ilmenau. Da ich nicht bei der NVA diente, verlangte die TH Ilmenau (heute TU), daß ich neben dem Abitur eine Facharbeiterausbildung zu absolvieren hatte. Diese Möglichkeit gab es bei Fahrzeugelektrik Ruhla. Dort saß ich tagsüber am Fließband und schraubte die Anlasser für Trabant und Wartburg zusammen und Abends ging ich dann in die Berufsschule. Nach einem Jahr in der Produktion kam ich dann nach Ilmenau. Dort schloß ich mein Studium als Dipl.-Ing. 1987 ab und zog ich wieder zurück nach Sachsen, genauer nach Dresden, denn ich fand, daß das die schönste Stadt der DDR war. Ich wurde Messingenieur im Kombinat Spezialtechnik.

Dann hat sich die DDR aufgelöst.

1991 wurde ich angestellter Systemberater bei der IBM Deutschland. 1997 kündigte ich, weil ich mit der Firmenphilosophie nicht mehr übereinstimmte und ich beschloß selbständig zu werden.
Meine Vorstellung von der Selbständigkeit war etwas fern der Realität. Ich ging vollkommen blauäugig an die Sache heran. Es war die Zeit der Internet Start Ups, später bekannt als Dotcom Blase. Auch ich landete auf dem Bauch und um meine entstandenen Schulden bezahlen zu können, verdingte mich dann als IT Freelancer. So lernte ich den „Maschinenraum“ vieler namenhafter Großkonzerne in ganz Deutschland kennen. Über die inzwischen 19 Jahre Freelancertätigkeit in fast allen Bundesländern entwickelte ich meine Sicht auf die Arbeit, das Geld und Ideologien, die vor allem durch die politischen Parteien als ihr jeweiliges Alleinstellungsmerkmal propagiert und als Herrschaftsinstrument mittels Bewußtseinstrübung eingesetzt werden.
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